Am Rhy dihei - im Städtli willkomme

Rathauskonzert mit Hirundo Maris

 

Das Hirundo Maris Trio Petter Udland Johansen, Arianna Savall und Miquel Angel Cordero

  

Lieder aus dem Süden und dem Norden verbindet dieses Ensemble gleichsam wie ihr Titel (= Fluss-Seeschwalbe) inhaltlich und menschlich. Arianna Savall (Tochter von Jordi Savall und Montserrat Figueras) bildet mit dem norwegischen Tenor Petter Udland Johansen ein Paar in privater und musikalisch-künstlerischer Weise: ihr betörend schöner und klarer Sopran (dies war schon das Markenzeichen ihrer Mutter!) und der weiche Tenorklang gehen zusammen mit dem spanischen Kontrabassisten auf wunderbar berührende und fantasievolle musikalische Reisen von Norwegen bis Katalanien und zurück. Instrumental begleiten sich die Solostimmen selbst: sie mit Gotischer und Tripelharfe, er mit Fiedel und Mandoline; immer werden die überwiegend Liebesgesänge mit vom Bass streichend, zupfend, geschlagen und Gitarre spielend genial getragen.

 

Im Programm des Rathauskonzertes Diessenhofen vom letzten Sonntag musizierte das Trio traditionelle  sefardische, catalanische und norwegische Gesänge, arrangiert von den zwei SängerInnen.

 

Am Anfang standen zwei Liebeslieder aus den Heimatländern der Künstler: seufzend, klagend beim Liebesleid, freudig-tanzend bei Liebesfreud durch alle Stimmen und Instrumente. Mit zwei sefardischen Weisen, wo zuerst das Aussegeln einer Gallere aus dem Hafen und dann ein in einen Nachtduft (Frau) sich verliebender Mann besungen werden, hörte man die typischen arabesken Melodiewendungen in Zigeunermoll. Wenn dann zwei Liebende von der weiten See getrennt, nur über Mond und Sterne sich zusingen können, empfinden die Zuhörenden auch Beklemmung und Mitleid. Jotas – ein spanischer Instrumentaltanz vermag einen etwas zu trösten… Vor der Pause erklang mit und vom Tenor: „Pinselstrich“- ein melancholisches Stimmungsbild eines norwegischen Augustabends, gefolgt von einer instrumentalen Tarantella aus dem 17. Jhdt.

 

Auch im zweiten Teil des Konzertes war die Liebe stets präsent: „Am Abend an der Quelle“ (der Liebende singt von seiner Einsamkeit), oder eine schöne Braunhaarige, die zum Tod oder zum Königssohn segelt.  Mit einer jazzig-groovigen Bassbegleitung besingt der Vikingerkönig den Bau seines grössten Kriegsschiffes und wie er danach davonsegelt um Blumen zu verschenken…  Auch ein catalanisches Weihnachts/Wiegenlied  und ein  amerikanischer Spiritual verzaubern die Zuhörerschaft mit grosser Innerlichkeit. Mit dem Lied „El Mariner“ schliesst das Ensemble sein Programm: eine am Strand mit Seide arbeitende Jungfrau wird vom Seemann überredet: wenn Du mit mir mitkommst, hast Du Seide in Hülle und Fülle. Nach 7 Jahren hat sie genug von der Seefahrt und will diesen Mann auch nicht heiraten- er ist ihr nicht standeswürdig genug. Er hingegen entpuppt sich aber als Königssohn und schon sind alle Probleme gelöst – Happyend! 

 

Als Dankeschön für die Begeisterung des Publikums bedanken sich die MusikerInnen zu Dritt singend mit dem chilenischen „Gracias a la vida“ und dem Trollenwiegenlied „o,ai,ai,ai,ai,puff“.  Ein zu Herze gehender Konzertabend mit drei grossartigen KünstlerInnen klingt noch lange nach und lässt die eigenen Liebesgeschichten aufblühen.

 

Roland Müller